Home sweet home

Nach einer trockenen und gemütlichen Nacht im Hostel im Zentrum Glasgows wachten wir heute morgen auf. Der Geruch unserer halbnassen Sachen und Schuhe hing wunderbar im Raum. Also packten wir flink zusammen, frühstückten und machten uns auf zum Bus. Check in und Rückflug verliefen ohne Probleme.

Pünktlich landeten wir in München und unsere Lieben konnten uns um 14 Uhr wieder in die Arme schließen.

Wir sind unglaublich stolz auf diese tolle Gruppe, die sich – unter egal welchen Bedingungen wir unterwegs waren – nie beklagt haben. Dieses Abenteuer war für uns unvergesslich und wird uns sicher auch noch ein paar Tage beschäftigen.

Unterwegs haben wir viele Menschen kennengelernt die uns und unser Projekt extrem beeindruckend fanden und uns sogar persönlich oder online begleitet haben.

Vielen Dank an alle die uns das Abenteuer Schottland ermöglicht haben!

Jetzt werden erstmal die Füße massiert und ausgiebig geduscht….

We are FINISHERS

Regen hatten wir schon, aber Sturm noch nicht. Zumindest nicht so. Böen mit zwischen 50 und 100km/h rüttelten die ganze Nacht an unseren Zelten. Da war der Dauerregen nur noch Nebensache. Erst kam der Wind hinab vom Ben Nevis, dem höchsten Berg Großbritanniens, dann, in den Morgenstunden, aus der anderen Richtung von Fort William.

Der Zeltplatz war am Morgen nicht mehr der selbe, wie am Abend zuvor. Viele Zelte waren dem Wind zum Opfer gefallen. Unsere nicht. Gut aufgebaut und ordentlich verzurrt standen sie an ihren Plätzen und trotzen den Urgewalten. Nicht nur, dass unsere Zelte wie eine eins standen, nein, noch vor dem Frühstück begannen unsere kleinen Wanderer auch noch zusammengebrochene Zelte einer anderen Gruppe wiederaufzubauen. Wahnsinn. Unser Stolz in diesem Moment war größer als Ben Nevis.

Gut dass wir nicht noch eine Nacht in unseren Zelten verbringen müssen, denn nach dem Abbau an diesem Morgen, sind alle von innen und außen nass.

Ein letztes Mal Porridge mit Äpfeln, ein letztes Mal alles in die Rucksäcke verstauen, ein letztes Mal die Regencapes über den Kopf, ein letztes Mal losgehen. Noch vier Kilometer und wir haben es geschafft. Noch drei, zwei, einer.

Am Ende des West Highland Ways, des alten, originalen, steht ein kleines Denkmal als Willkommensgruß für die Wanderer. Eigentlich viel zu klein für die Leistung, die einem der Weg abverlangt. Und dann doch groß genug um sich daran anzulehnen und in Gedanken den Weg nochmal zu gehen. WIR HABEN ES GESCHAFFT! Und als wenn uns irgendwer oder irgendwas wohlgesonnen wäre, bricht in dem Moment, in dem wir unser Finisherfoto machen, die Sonne durch die Wolken. Danke an alle Highlander und alle guten Geister die uns in den letzten Tagen begleitet, geleitet und nie verlassen haben.

Ein paar Minuten später stehen wir im Ortskern von Fort William, wo ein weiteres Denkmal für uns Wanderer aufgestellt wurde. Eine Bank mit einem Wanderer, der sich nach über 150km den Fuß massiert. Was für ein treffendes Bild. Ein paar Fotos später verteilen sich die 15 Gefährten auf die umliegenden Restaurants, Shops und Pubs, um sich zwei Stunden später für den letzten Teil der Reise wieder zu treffen.

16.00 Uhr. Alle sind da und wir gehen zum Bus nach Glasgow. Um 17.00 Uhr ruckelt der Bus dann los, den ganzen Weg der letzten neun Tage zurück. In nicht einmal vier Stunden. Aus dem Fenster blickend, erhaschen wir immer wieder kleine Fetzen „unseres“ Weges. Kleine Momente, in denen das Kopfkino anspringt, und jeden von uns wieder zurück auf unsere Reise bringt. Devils staircase, unsere Schiffahrt, Kaffee und heiße Schokolade im Bed and Breakfast,…schön, aber auch ein wenig traurig, dass es vorbei ist.

Der Countdown läuft

7.00 Uhr. Der Wecker klingelt. So früh wie noch nie in Schottland. Und das am Ende der ersten Nacht, in der wir nicht durch irgendetwas sowieso schon früher wach waren. Aber gut, es steht die letzte lange Etappe an.

Über 20km, über 400m hoch, über 500m runter, auf der gesamten Distanz keine Möglichkeit unterzukriechen oder abzukürzen. Alles in allem – und echte letzte Prüfung für die 15 Gefährten.

Gleich zu Beginn geht es steil bergauf. 300 Höhenmeter auf weniger als 4km. Könnte auch anders losgehen. Nach 1.5 Stunden sind wir oben. Puh. Erste Klippe des Tages geschafft, kurze Pause. Und jetzt geht’s auf dieser Höhe, mal hoch, mal runter, etwa 6 Meilen durch das Lairigmor. Bei schönem Wetter soll das ein herrlicher Weg sein. Leider fing es heute mittendrin an zu regnen und hörte bis jetzt auch nicht mehr auf. Regencapes auf, Pausen nur noch wenn nötig, um nicht auszukühlen, und nur unter Bäumen oder im Windschatten großer Felsen. Uns kann kein Wetter mehr erschüttern. Gegen 16.00 Uhr, nach sechs Stunden Fußmarsch und den Eindrücken von schottischen Bergriesen, einem endlosen Hochmoor, immer wiederkehrenden Hinweistafeln zu irgendwelchen Schlachten verfeindeter Clans, auch im Regen wunderschöner Natur und unseren fast schon meditativen Schritten, geht es endlich wieder hinab. Schultern schmerzen, Füße tun weh und Blasen melden sich. Weiter, immer weiter. Gleich sind wir da, oder?

Naja, leider nicht so ganz. Weitere zwei Meilen geht es bergab. Der Campingplatz ist schon lange in Sicht aber irgendwie kommen wir nicht spürbar näher.

Dann endlich sind wir da. Holprig bewegen wir uns in Richtung unseres Stellplatzes und parken uns erstmal in der Spülküche zwischen. Dort ist es warm und trocken und man kann sitzen!

Nach kurzer Verschnaufpause bauen wir unsere Zelte im immernoch strömenden Regen auf. Eine heiße Dusche und knapp 3 Kilo Spaghetti später legen wir uns vor den Toren von Fort William ein letztes Mal in unsere inwischen sehr vertraute Zeltstadt und trotzen Sturm und Regen.

Denn alle wissen, dass nichts und niemand es uns nehmen kann morgen den West Highland Way bis zum Ende zu gehen und dieses Abenteuer zu bestehen.

Zum Teufel mit der devil’s staircase

Morgenstund hat Gold im Mund… Bei uns eher Krach in den Ohren!

Heute Nacht war es erst wirklich kalt, zumindest in den Lehrerzelten, dann mal wieder zu früh hell und gegen 7.00 Uhr begannen die Arbeiter auf der Baustelle des Hotels zu arbeiten. Sägen, Schleifen, Hämmern, also alles was LAUT ist! Davon fast völlig unbeeindruckt schliefen wir trotzdem bis 8.00 Uhr und begannen dann unser tägliches Treiben. Zelte abbauen, Frühstück machen, abwaschen, zusammenpacken. Routine. Um 10.45 Uhr gings los. Man könnte sagen: Königsetappe. Devils‘ staircase hinauf auf den höchsten Punkt der Reise. Yeah! Und los… Zunächst zum einlaufen ein paar Meilen mit mäßiger Steigung.

Um es etwas interessanter zu gestalten, wählten wir eine Alternativroute des West Highland Ways und folgten einem kleinen Fluss. Leider konnten wir den ausgeschriebenen Pfand, der im Wanderführer so schön beschrieben war, nicht finden und kämpften uns auf eigene Weise durch die Flussauen. Auch kein Problem mehr für uns.

Am Fuß der Steigung, hinauf zum höchsten Punkt, eine kleine letzte Pause. Und dann, die devil’s staircase! Langsam und ein bisschen ehrfürchtig begannen wir den Berg in unserem Tempo zu besteigen. Anfangs schön gemächlich, um die Gruppe nicht zu zerreißen und uns nicht gleich zu Beginn zu verausgaben. Später, mitten in der Steigung, immer mutiger. Und am Ende fast übermütig. Wo war er denn, der Teufel? Oben auf dem Pass, mit Blick ins nächste Tal und dem Blick zurück auf den Weg des letzten Tages, unsere wohlverdiente Mittagspause.

Nach einer Gipfel Fotosession ging es dann wieder los. Nur noch vier Meilen bis zum Ziel in Kinlochleven. Einfach nur runter und schon sind wir da…nicht so ganz. Runter Rauf runter Rauf. Und dann gaaaanz steil bergab. Wir waren so gut in der Zeit, dass wir und den Luxus zu trödeln hatten.

Endlich kamen wir auf dem finalen Campingplatz an einem schönen See an. Nur leider waren alle Vorräte leer gefuttert. Nach dem Aufbau der Zelte machte sich die Gruppe auf, um die letzten Einkäufe für die Wanderung zu besorgen.

In der Abendsonne gab es mal wieder Reis mit Sauce. Während des Essens träumte jeder bereits von all den Schnitzeln, Burgern und Nudelgratins die wir uns holen wenn wir wieder zurück sind. Halbwegs satt schlüpfen wir ins Bett.

Mit den imposanten Bildern des heutigen Tages im Kopf bereiten wir uns auf unsere letzte lange Etappe vor…

Der Morgen stirbt nie

Nach unserer ersten Nacht außerhalb eines Campingplatzes, ohne Dusche oder Shop, waren wir, wie jeden Morgen, überrascht davon wie früh es in Schottland hell wird. Ab 3.30 Uhr ist es nicht mehr dunkel und die Vögel beginnen nur kurz danach ihr Lied. Ok, die frühen Vögel. Wir Langschläfer stehen ja erst um 8.00 Uhr auf, bauen unsere Zelte ab, frühstücken, mal wieder Porridge, und kommen langsam in die Gänge. So auch diesen Morgen. Gegen 11.00 Uhr, unserer Zeit, machen wir uns auf den Weg. 10 Meilen, 300 Höhenmeter hoch und 200 wieder runter. Mittlerweile für uns schon fast eine kurze Etappe. Stetig bergauf ging es durch eine gänzlich naturbelassene Moorlandschaft. Links und rechts nichts als Natur. In der Mitte nur ein kleiner Pfand, auf dem wir wandeln. Und wie an jedem Tag immer wieder Menschen die einem entgegenkommen oder die man überholt. Manche kennt man schon, andere lernt man kennen. Mit manchen tauscht man nur ein flüchtiges „hey“ aus, mit anderen ist Zeit für einen längeren Plausch und bei manchen reicht mittlerweile schon der vielsagende Blick des erfahrenen Wanderers, für die wir uns nach sechs Tagen alle halten, um klar zu machen wohin wir gehen.

Wir sind definitiv keine „Greenhorns“ mehr. Nach fast drei Stunden haben wir den höchsten Punkt des heutigen Tages erreicht. Mittagspause. Unter uns das Ziel des Tages über uns eine steinerne Stehle, als Denkmal für einen Wanderer der hier 1971 an einem Herzinfarkt verstarb. Er war übrigens der Bruder des Erfinders von James Bond.

Der Weg nach unten war dann nur noch ein Genuss. Entspannt und ohne Eile kamen wir gegen 16.00 Uhr am Kingshouse Hotel an. Oder besser an einer king-size Baustelle. Das Hotel wird nämlich gerade renoviert. Gott sei Dank aber nicht die Wiese hinter dem Hotel, auf der wir heute Nacht schlafen werden. Ein wenig Wind und somit keine Midges, und Platz genug für uns alle. Und vor allem mit einem lebenden Hirsch!

Das Feuer das wir noch vor unserem Abendessen machten, war aber natürlich nicht für den Hirsch, sondern einfach nur um sich zu wärmen und gemütlich zusammenzusitzen. Jetzt gibt’s essen. Reis mit Tomatensauce. Und dann wird es auch wieder Zeit fürs Bett. Morgen steht mit der „devils staircase“ schließlich die Etappe an, die uns an den höchsten Punkt unserer Reise führen wird. Also, gute Nacht.

Tierisch gut

Hotel. HOTEL. H-O-T-E-L. Dusche, nein Badewanne. Ein Föhn, Luxus. Ein unfassbares Bett, mit Laken und Decke und Kopfkissen. Und morgens ein Frühstück. Gut, es war ein Schottisches, also mit Bohnen und Würstchen. Aber, hey, Luxus.

Kaum waren unsere Rucksäcke wieder auf unseren Rücken, kaum hatten wir unsere Einkäufe für die nächsten zwei Tage (ab hier kein Shop für 44km) verstaut, waren wir wieder geerdet und zurück auf unserem Weg.

Keine Sonne, aber vor allem kein Regen. Bestes Wanderwetter. Tyndrum bis Inveroran Hotel, 10 Meilen. Erstmal schön langsam starten, wie gestern versuchen wir eine gute Geschwindigkeit für alle zu finden, wenige, aber gleichlange Pausen für jeden, und tatsächlich, drei Stunden später, gegen 14.00h, waren wir an der Bridge of Orchy. 7.5 Meilen. Hier machten wir eine Pause von gut 45 Minuten. Soup of the Day und Handcut Fries. Lecker und genau das, was wir uns verdient hatten. Nur noch drei Meilen bis zu unserem Ziel. Fast nix. Also weiter. Nachdem wir die Brücke überquert hatten, teilten wir die Gruppe auf, die leicht angeschlagenen Gefährten (Blasen, Knieschmerzen,…) gingen um den Berg herum, die fitteren gingen über den Berg. Nach etwa einer Stunde standen wir alle vor dem Inveroran Hotel, der Campingplatz, besser der Ort, an dem wir kostenlos campen dürfen, war noch 500 Meter entfernt. Was würde uns erwarten? Midges? Eine nasse Wiese? Kein Platz für unsere acht Zelte? Nichts von alledem! Direkt neben der Victoria Bridge, an der Biegung des Flusses, mit einem Blick der einen erschauern lässt vor Wonne, stellten wir unsere Zelte auf, kochten unser Abendmahl, Kartoffelpüree mit Pfeffersoße und Gemüse und ließen unseren Blick über die unglaubliche Landschaft um uns herum gleiten. Ahhhh! Noch während wir unseren Abwasch, ohne Spüli, im Fluss machten, erschienen drei Hirschkühe und ein Hirschkalb. Nur einen Steinwurf von uns entfernt. Ohne Angst vor uns. Unglaublich. Und im Hintergrund ging langsam die Sonne unter.

Ps: Wir haben unsere Gruppe vergrößert. Eine neue Freundin aus Kanada, die wir bereits an unserem ersten Abend kennengelernt hatten, wandert mit uns und lässt die Kinder ihr Englisch an sich ausprobieren. Sie wird unsere Gruppe wohl noch mindestens ein oder zwei Tage begleiten. Gut so. Internationale Wanderwege – Internationale Gesellschaft.

Schäfchen ins Trockene bringen

Es ist uns ein großes Anliegen nochmal unsere Retter in der Not hervor zu heben.

Silvia und Daniel, die das Bed and Breakfast mit dem Namen Ewich guest house betreiben, waren so unglaublich lieb und fürsorglich, hatten ein Lächeln für uns im Moment unserer größten Schwächephase und haben uns für fast eine Stunde bei sich aufgenommen, obwohl ihr Haus voll ausgebucht war und kurz nach uns zahlende Gäste kamen. WOW!

Wer von euch also mal ein paar Tage oder auch nur eine Übernachtung in den schottischen Wäldern verbringen möchte… http://www.ewich.co.uk, denn wer zu 15 völlig durchnässten, zitternden Fremden so nett ist, wie muss es einem erst ergehen wenn man ein angekündigter Gast ist?

Danke nochmal und wir sehen uns wieder.

Die 15 Gefährten auf dem Weg nach Tyndrum

Pünktlich heute morgen um acht gab es den Streuselkuchen Weckruf. Schließlich waren wir fest entschlossen die vor uns liegende Bergetappe von Anfang bis Ende durchzuziehen.

Bestens ausgestattet mit Mückennetzen (findige Schotten haben alte Damenfeinstrumpfhosen gewinnbringend recycelt) und vollgestopft nach dem Frühstück machten wir uns auf. Die Sonne im Rücken ging es leicht bergauf durch lichten Wald und über zahlreiche Brücken. Auch unter uralten Bäumen, die die Zeit vergessen zu haben scheinen, läßt es sich gut pausieren. Und immer mehr, auf dem Weg durch Wälder aus Farnen einer lange vergessen Vergangenheit, kommen wir uns vor, wie eine dieser Reisegruppen aus einem J.R.R.Tolkien Roman. Mehrere Hobbits, ein paar Zwerge, Elfen, die Herrin des Waldes und ein Streicher. Eben 15 Gefährten auf dem Weg nach Mordor, äh Tyndrum.

Spätestens als wir einen Tunnel unter der (einzigen) Straße passieren mussten, merkten wir, dass der Weg auch auf Hobbits ausgelegt war. Auf der anderen Seite des Tunnels wechselte dann auch das Wetter…. Die Sonnenstrahlen wechselten sich mit Regentropfen ab. Eifrig kletterten wir über Gatter und Zäune. Erst ohne, dann mit Regencape. Wenig später wurde aus den paar Tropfen ein kräftiger Schauer und danach kam die Sintflut. Da wir ja schon nass bis auf die unterste Hobbithose waren, ignorierten wir den Abzweig zum Zwischenziel und stiegen stetig bergauf. Zeitweise tauschten wir optisch von den Gefährten zu Schneewittchen und den 14 Zwergen. Im Gänsemarsch ging es voran. Das aufgezogene Gewitter kam bedrohlich nah. Blitze und Donner. Jeder zählte leise mit, so wie wir es in der Schule gelernt haben. Blitz – eins – zwei – drei – puh – vier – Donner, gut mehr als ein Kilometer entfernt. Doch weder Regen noch Blitze ließen nach – es kam sogar noch Hagel dazu, so dass wir uns dazu entschieden bei einem bed and breakfast ein Stück ab vom Weg unser Glück zu versuchen. Gut 100 Meter von dem Haus entfernt – Blitz – ei.. – DONNER!!! Alle Zwerge taten einen Hüpfer, der Rest zog die Köpfe ein, so dass wir kurzfristig alle gleichgroß waren. Am Haus angekommen öffnete eine Fee die Tür und nach einigen Erklärungen unserer Situation, war es überhaupt kein Problem, dass wir kurz ins Trockene durften, um uns bei Kaffee, Tee und heißer Schokolade am Feuer zu wärmen. Ach ja, by the way, als wir die Gefährten auf Deutsch zusammen riefen, um im Gänsemarsch in die warme Stube „einzufallen“, erwiederte unsere Retterin in schönstem Schwitzerdytsch: „Ah, wir könn auch Dytsch sprechen, oder.“

Nach unserer kurzen Pause stapften wir hochmotiviert und semi getrocknet weiter zu unserem finalen Übernachtungsplatz.

Endlich kamen wir am bereits weit im Voraus angepriesenen Campingplatz an. Jetzt nur noch raus aus den nassen Schuhen und unter eine heiße Dusche. Pustekuchen. … Der (sichtbar volkommen leere) Platz war voll und so wurden wir kurzerhand und einigermaßen unfreundlich vor die Tür gesetzt. Health and safety ist den Briten heilig. Zumindest für sich selbst. Obdachlos, hungrig und mit dem Blick 15 begossener Pudel vagabundierten wir von Unterkunft zu Unterkunft, bis uns schließlich das Ben Doran Hotel aufnahm….

Erschöpft aber zufrieden ließen wir den Abend mit dem Luxus einer heißen Dusche, Tee, Live-band und der Aussicht auf ein echtes Bett ausklingen.

Loch Lomond

Als wir heute morgen geweckt wurden waren die kleinen Biester immernoch da… Aber hey, davon lassen wir uns doch nicht beeindrucken. Also schnell alles packen und langsam frühstücken. Porridge mit Äpfeln und Mandarinen. Gar nicht so schlecht.

Gegen elf gings dann endlich los. In gutem Tempo wanderten wir am Loch Lomond entlang. Wunderschöne Natur und die midges ließen einen, wenn man in Bewegung ist, auch fast in Ruhe. Also weiter… Vorbei an Cashel, wo wir ohne den Regen am Vortag übernachten wollten, durch Ardyle Wood und den Rowardennan Forest. Schließlich durch den Ross Wood nach Rowardennan. Gute 6 Meilen. In drei Stunden. Schnell. Um ehrlich zu sein, zu schnell für den einen oder die andere von uns. In der Pause, in einem Biergarten (!), direkt am Loch Lomond, mussten wir uns eingestehen, dass unser Tagesziel, der Campingplatz in der Nähe von Inversnaid, mit 8 Meilen, zu weit gesteckt war.

Wie bereits in den Vorbereitungen vor Monaten besprochen, kam hier ein harter Moment. Auf Grund unseres Abflugs am Freitag und der Bustickets von Fort William zurück nach Glasgow am Donnerstag um 17.00 Uhr, ist jetzt schon klar, dass wir unsere letzte Etappe, fast 15 Meilen, am Mittwoch absolvieren müssen. Deshalb wurde in einem kurzen Gruppenmeeting beschlossen für heute Schusters Rappen an den Nagel zu hängen und eine kleine Auszeit zu nehmen. Von Rowardennan Lodge, einem sehr schön gelegenen Youth Hostel, ging es per Boat Bus über den Loch Lomond nach Tarbet und von hier schließlich mit dem Bus nach Inverarnan. Eine Meile später waren wir auf dem Campingplatz Beinglas Farm angekommen und wurden überaus freundlich und gierig von unseren kleinen Freunden, den midges, willkommen geheißen. Der Aufbau der Zelte war eine Qual. Midges Überall. Augen, Mund, Ohren, Nase. Selbst der angrenzende Pub hat es nicht mehr geschafft uns nach einem schnellen Abendessen unter Komplettverschleierung noch vom ins Bett gehen abzuhalten.

In guter Gesellschaft und mit friedlichem Summen schliefen 15 Streuselkuchen ein.

Vom Berg ins Wasser

Nach einer langen und doch irgendwie zu kurzen Nacht erwachten wir voller Tatendrang und merkten doch bei den ersten Schritten aus den Zelten, die Belastung von Vortrag.

12 Meilen mit deutlich über 10kg Gepäck sind eben doch etwas anderes, als mit der U-Bahn zur Schule.

Gegen zehn Uhr geht’s los. Immer weiter Richtung Nord Westen. Zunächst einmal in den nächsten Ort – Drymen – um Frühstück zu kaufen und das Essen für den Tag. Und obwohl es kostenloses Wasser aus dem Hahn an jedem Campingplatz gibt, werden auch die Wasservorräte aufgefüllt. Zum einen weil man viel Flüssigkeit braucht, zum anderen da man das gechlorte Leitungswasser in Schottland nicht mit dem guten Münchener Wasser vergleichen kann. Und dann los. Immer der Nase nach. Zwischen Feldern und Wäldern geht’s dahin. Kurz vor unserem ersten Anstieg auf den Conic Hill, noch eine kurze Pause an einem kleinen Teich mit Kaulquappen und Molchen, Libellen und ein paar Bremsen. Vor Allem aber mit einem herrlichen Blick auf den Conic Hill (ca1100m) und unserem Tagesziel, den Loch Lomond. Viele Schritte später, vor allem aber viele Schweißtropfen später, sitzen wir oben. Das heißt auf gut 700m Höhe umrunden wir den Gipfel und genießen am höchsten Punkt des Weges die Aussicht auf vielleicht 20 Schafe, die friedlich in der Sonne grasen, und bereiten uns auf den Abstieg vor. Nach gut einer Stunde Abstieg, teilweise durch einen wunderschönen Wald, erreichen wir mit zitternden Knien den Loch Lomond. Eine kleine Erfrischung kam uns jetzt gerade recht. Leider sollten uns allerdings diese 20 Minuten am Ende der Etappe fehlen… Denn auf den letzten 2 Meilen zu unserem Nachtquartier kam dann das Unausweichliche – Schottisches Wetter. Blitz und Donner, kleine und große Tropfen. Gut dass wir unsere Regencapes griffbereit hatten. Ok, fast alle von uns. Ganz unten im Rucksack ist eben doch nicht der beste Platz für das Regencape! Und weiter gings, durch den Regen, entlang des Sees, bis zum Campingplatz. Und hier…hörte der Regen dann wieder auf. Der freundliche schottische Campingplatzchef, in kurzen Hosen und T-Shirt, begrüßte und mit einem doch schelmischen Grinsen im Gesicht: „Hey there. Had a nice trip? Weather ain’t that bad, isn’t it?“ Ja, ja. Guten Humor haben sie hier oben. Unsere Gedanken an ein schönes Essen und ein wenig Ruhe, wurden leider durch einen Überfall biblischen Ausmaßes von Midges getrübt. Midges, kleine Quälgeister. So klein, dass man sie nicht fotografieren kann, so schnell, dass man sie nicht erschlagen kann, so viele, dass man ihnen nicht entkommen kann. Schwarze Wolken kleiner Mücken. Nicht sehr schmerzhaft, aber um so nerviger.

Nachdem endlich alle Zelte aufgebaut waren, gab es Pasta mit Tomatensauce und Pesto, dazu einen warmen Tee und schon war die Welt wieder in Ordnung. Eine warme Dusche später lagen 15 Highlanderinnen und Highlander erschöpft und müde, aber stolz und glücklich auf ihren Matten und redeten sich in den Schlaf. Gute Nacht Conic Hill, gute Nacht Loch Lomond, gute Na…arrrggghhhh haut endlich ab ihr Midges.